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Es sind die Augen!

Kampf gegen Augenerkrankungen und Bewahrung des Sehvermögens von Terriern

 

erstellt von

Jim R. Hulbert und Jeanne R. Mortenson

(Übersetzung von B. Massel & H. Lemanski)

 

 

Die Augen Ihres Terriers sind seine Fenster auf eine aufregende Welt voller potentieller Schädlinge; sie sind zwei der kostbarsten Werkzeuge Ihres Hundes. Die Gesundheit der Augen ist lebenswichtig für einen aktiven, verspielten, energischen reinrassigen Terrier. Bei diesen prächtigen Tiere sollten auf jeden Fall Augenverletzungen, Infektionen und genetisch bedingte Mängel verhindert werden. Züchter, Besitzer und Aussteller (Handler) tun ihr bestes, um Augenverletzungen und Infektionen zu verhindern. Jedoch sollten wir mehr über ernsthafte Kontrollen und vererbte Krankheiten wissen. Wir müssen in der Lage sein, Symptome von ernsthaften Erkrankungen zu erkennen, um nach passenden Behandlungen suchen zu können, wenn solche Erkrankungen auftauchen. Und was für die Rasse besonders wichtig ist – wir brauchen Mittel, um diesen Erkrankungen vorzubeugen.

In diesem kurzen Artikel möchten wir Erkrankungen aufführen, die die meisten Terrier betreffen, wir möchten Beschreibungen und Verfahren von Augenuntersuchungen darstellen, die von Spezialisten in der Veterinär-Augenheilkunde (Veterinär Ophtalmologen - VO) durchgeführt werden, einschließlich einiger Termini, die Ihnen helfen, die Sprache des VO zu sprechen, geben wir eine Zusammenfassung der aktuellen Behandlungsmethoden für die geläufigsten Erkrankungen und wir möchten Gedanken über die Verantwortlichkeit des Züchters ansprechen.

 

Augenprobleme, die häufig bei Terrierin auftreten

Augenerkrankungen, die bei Terriern entdeckt werden, können die Strukturen im Vorder- und Zentralbereich des Auges betreffen (Hornhaut und Linse), die Augenumgebung (Augenlid und Bindhaut-Bereich) und das Innenauge (Glaskörper, Netzhaut und Sehnerv). Die Abbildung unten fasst die Struktur des Hundeauges zusammen.1

 

Terrier werden wie die meisten anderen Rassegruppen gewöhnlich mit dem Grauen Star in Verbindung gebracht (festgestellt bei 15 von den 26 Terrierrassen, die vom AKC anerkannt sind), Progressive Retina Atrophie (Rückbildung der Netzhaut - bei 14 Rasen) und Linsen Luxation (12 Rassen).2, 3  Andere weniger verbreitete, jedoch ebenso ernsthafte Beschwerden (besonders wenn sie bei Ihren Tieren auftreten) können auch beobachtet werden. Diese Probleme sind Retinadysplasie (Fehlbildung der Netzhaut – bei 8 Terrierrassen festgestellt), persistierende Pupillenmembran (8 Rassen), Entropium (Einwertskehrung der Lindränder bei 7 Rassen), Glaukom (Grüner Star bei 5 Rassen), Hypoplasie (Unterentwicklung) des Sehnervs (eine Rasse) und Kolobom (Spaltbildung) im Sehnerv oder der Iris (eine Rasse).2, 3

Diese Erkrankungen und andere sind Fehlbildungen der Natur, die Ihre Tiere und deren menschliche Familien in ihrer Lebensfreude einschränken können. Diese Krankheiten sind der Feind. Und die erste "Verteidigungslinie" dagegen ist eine jährliche Untersuchung beim VO.

 

Untersuchung eines Ophthalmologen der Tiermedizin

Bei der Canine Eye Registry Foundation (CERF) – einer Registrierungsstelle für Augenerkrankungen des Hundes – werden Untersuchungen an Ihrem Welpen oder erwachsenen Hunden durchgeführt. Dabei stellt der VO eine Anamnese (Krankengeschichte) auf, befragt Sie nach Anzeichen, die im Vorfeld der Untersuchung festgestellt wurden und er untersucht beide Augen jedes Tieres in einem erstmals verfügbaren "Ambilight" (atmosphärisches Umgebungs-Licht) und dann in relativer Dunkelheit.1 Die Untersuchung im "Ambilight" beginnt meist mit einer allgemeinen Bewertung des Gesundheits- und Schmerzzustandes, der Augengröße und Struktur, von Schwellungen und Störungen einschließlich normalem und abnormalem Tränenfluss (Lacrimation). Wenn die Zeichen dafür sprechen (es indiziert ist), untersucht der VO die Tränenflüssigkeitsproduktion (Test für "trockene Augen") indem er einen Schirmer Tränentest (STT) durchführt. Der VO benutzt dabei ein 2-4-faches Vergrößerungsglas ("Lupe") mit einem Licht, um das Innenauge zu untersuchen. Die Pupillen-Lichtreflexe und die Lidschlussreflexe (Zwinkern), beides direkt und nacheinander (entsprechend am anderen Auge) werden als nächstes untersucht, wobei beachtet werden muss, dass bei sehr jungen Hunden ein Augen-Zuck-Reflex bei "Bedrohung" meist nicht vorhanden ist. Nach dem Reflextest untersucht der VO die Augenlider, besonders das dritte Augenlid zwischen dem unteren Augenlid und dem Auge, die Bindehautlinie innerhalb des Augenlides, die Hornhaut, Iris und er sieht durch die Pupille hindurch auf die Linse. Die Untersuchung des Tränenkanals wird visuell mittels Gonioskop durchgeführt. Die Gonioskopie (Untersuchung des Augenkammerwinkels) ist besonders für Glaukom-Patienten wichtig und wird nach einer Vergrößerung der Pupillen durch Gabe von 1 oder 2 Tropfen einer 1%igen Tropicamid-Lösung, 15-20 Minuten vor der 2. Phase der Augenuntersuchung durchgeführt.

Während der zweiten, der "Dunkelkammer-Phase" der Augenuntersuchung, nachdem sich die Pupillen des Hundes geweitet haben, kann der VO die Linse untersuchen, die innere Glasflüssigkeit und den Augenhintergrund ("Ocularfundus"), der die Netzhaut und den Kopf des Sehnervs umfasst. Mit Hilfe eines Transilluminators (eine helle Lichtquelle) oder eines Ophthalmoskops kann der VO die Linse und den Glaskörper des Terriers auf Trübheit oder Undurchlässigkeit und die Netzhaut auf Funktionsstörungen, Blutungen und Fehlbildungen untersuchen. Ein direktes Ophthalmoskop kann die Strukturen innerhalb des Auges auf das 15-fache vergrößern. Ein indirektes Ophthalmoskop, ein Typ des Ophthalmuskops, das meist vom VO verwendet wird, ermöglicht ein breiteres Gesichtsfeld. Das gestattet dem VO den Augenhintergrund zu scannen und Abnormalitäten schnell festzustellen.

Wenn weitere Visualisierungen oder Tests angezeigt sind, kann der VO diagnostische Einfärbemittel verwenden. Fluoreszierende Stoffe werden bei Terriern mit Augenschmerzen und Hornhautverletzungen eingesetzt. Sie werden angewendet, um Verletzungen und fehlerhafte Tränenkanäle nachzuweisen. Die Färbemittel "rose bengal"“ und "lissamine green" werden bei der Hornhaut und Bindhaut eingesetzt, um zerstörte Zellen oder Schädigungen durch Herpesinfektionen aufzudecken. Es können auch Zellproben von allen Augenteilen entnommen werden, um mikroskopisch oder chemisch analysiert zu werden. Der innere Augendruck wird in beiden Augen durch Tonometrie ermittelt, wobei der Fühler des Tonometers vorsichtig auf die Hornhaut aufgesetzt wird. Das Retinoskop liefert einen Lichtstrahl, der es dem VO gestattet, das Auge in "Stücke zu zerlegen", um zu sehen, ob Bilder auf der Netzhaut im Fokus sind oder nicht. Resümierend kann gesagt werden, dass dem VO für eine Tiefenuntersuchung und definitive Diagnose Röntgengeräte, Computertomographen (CT), Magnetresonanz-Tomographen (MRT), Ultraschall, Elektroretinographie (ERG) und Laser Ophthalmoskope zur Verfügung stehen.1

 

Wie Augenerkrankungen bei Hunden entstehen

Obwohl viele Augenerkrankungen existieren, die unsere Terrier befallen können, möchten wir in diesem Abschnitt die Gruppe der häufigsten Krankheiten erörtern. Genetisch bedingte Augenerkrankungen oder Augenerkrankungen, die mutmaßlich genetisch bedingt sind, können jeden Teil des Augen des Terriers betreffen. Die meisten Symptome beziehen sich auf ein abnormales Erscheinungsbild, Sehstörungen, Augen- und Augenhöhlenschmerzen, Augenausfluss oder jegliche Kombinationen daraus. Da die Funktion des Auges von der Gesundheit und Transparenz der Pupillen, Linsen und des Glaskörpers sowie von der Gesundheit der Netzhaut abhängt, ist jede Abweichung von einem optimalen Zustand sehr ernst und muss früh behandelt werden. Eine Krankheit oder Verletzung, die nicht das Auge betrifft, kann auf den Läufen, dem Kopf oder dem Rumpf Narben hinterlassen, ohne dabei ihre Funktionen zu beeinträchtigen, jedoch kann die leichteste Verletzung oder Erkrankung der Hornhaut, Linse, des Glaskörpers oder der Netzhaut schnell zu schlechtem Sehvermögen oder sogar zu Blindheit führen.

 

Das Großen Drei: Grauer Star, Progressive Retina-Atrophie, und Linsen-Luxation. Diese drei sind die Augeerkrankungen, die am häufigsten bei den 26 Terrier-Rassen vorkommen.2, 3

 

Der Graue Star betrifft die Linse. Obwohl die Linse keine Blutgefäße enthält, bildet sie verlängerte Zellen aus, die manchmal anschwellen, sich verdicken und lichtundurchlässig werden, wodurch die Transparenz der Linse beeinträchtigt wird. Areale dieser undurchsichtigen Fasern können partiell oder völlig das Sehvermögen blockieren. Der Graue Star ist bei den Terriern allgemein angeboren (bei der Geburt vorhanden und wahrscheinlich autosomal rezessiv vererbt). Der Graue Star kann sich aber auch bei älteren Hunden entwickeln oder im Ergebnis einer Verletzung auftreten. Der Graue Star kann außerdem durch Infektionen und Diabetes entstehen.4 Die Behandlung des Grauen Stars kann neben Atropin-Augentropfen, um die Pupillen zu erweitern, im Falle von kleineren und zentral gelegenen Katerakten auch unterschiedliche Formen der chirurgischen Entfernung der getrübten Linse, oft mit der Implantation prothetischer Linsen, umfassen. Die chirurgischen Eingriffe können mehrere Monate der sorgfältigen postoperativen Behandlung und ein Risiko von Komplikationen nach sich ziehen.1

 

Die Progressive Retina Atrophie (PRA) beinhaltet mehrere Krankheitsbilder, die sich  in unterschiedlichen Altersstufen manifestieren. Dabei handelt es sich um eine Degeneration der Lichtrezeptoren der Netzhaut (siehe Abb. 1, Ausschnitt B). Das typische Alter des Auftretens der Krankheit variiert, jedoch liegt der übliche Bereich zwischen dem Welpenalter und 6 Jahren, wobei es bei  einer frühen Entwicklung zu einer schnelleren Degeneration der Netzhaut kommt. Durch alle Terrierrassen hindurch befällt die PRA immer beide Augen (bilateral), und führt immer zur Blindheit. Anzeichen der PRA beinhalten anfänglich Einschränkungen des Sehvermögens, gefolgt durch völligen Sehverlust. Vor diesen Symptomen kann Ihr VO braune oder graue Verfärbungen im Inneren des Auges feststellen, eine Schrumpfung der Gefäße und Farbveränderungen der befallenen Bereiche der Netzhaut. Derzeit gibt es keine Behandlung gegen diese Erkrankung und die einzige Waffe dagegen ist die Vorbeugung durch eine auf Wissen basierte Zucht.1

 

Die Linsen-Luxation (Verschiebung oder Verlagerung) entsteht durch Abnormalitäten in den Fasern, die die Linse auf der vorgeschriebenen Stelle halten. Wenn diese Erkrankung auftaucht, entsteht sie im mittleren Alter. Bei der Untersuchung durch den VO kann eine frühe Luxation dadurch entdeckt werden, dass die Linse nicht an einer Stelle fest gehalten wird und bei Bewegung der Augen wackelt. Wenn die Linse sich nach vorn verschiebt, kommt sie in Kontakt mit der Hornhaut und das führt dazu, dass sich Flüssigkeit in der Hornhaut und direkt im Augapfel bildet (Ödem) und sekundär führt das dazu (bedingt durch den ersten Zustand), dass es zu einem Glaukom kommt (Grüner Star). Da die Strukturen und Prozesse im Auge von einander abhängen, kann ein primäres Glaukom (mit erhöhtem inneren Augendruck) auch sekundär zu einer Linsenluxation führen. Die Linsen-Luxation wird oft von Schmerzen begleitet, da der Kopf des Sehnervs oft beschädigt ist, und sie führt oft zur Erblindung. Die Behandlung beinhaltet eine zügige medikamentöse oder chirurgische Reduktion des inneren Augendrucks und die Entfernung der Linsen aus beiden Augen.1

 

Seltener beobachtete Erkrankungen beim Terrier

Die folgenden Erkrankungen werden bei Terriern seltener beobachtet, jedoch wenn sie einen Ihrer Hunde betreffen, sind sie nicht weniger ernsthaft, als andere häufigere Erkrankungen.

 

Die Retina Dysplasie (RD) ist eine Form der  Missbildung der Netzhaut, die bei Geburt vorhanden ist, Die einzige "Behandlung" ist die Vorbeugung: das heißt, keine betroffenen Tiere oder Träger der Erkrankung bei der Zucht einzusetzen. Diese Störung beinhaltet eine abnormale Bildung oder sogar eine Ablösung der Nervenzellen der Netzhaut. Die RD kann fokal (an einem Ort) oder multifokal (an vielen Orten) auftreten und ist meistens bilateral (beidseitig). In ernsthaften Fällen, meist bei der ernsthafteren RD, konzentriert auf eine Stelle, erblindet der Hund. Wenn Welpen ernsthafte fokale RD in beiden Augen haben, sollten diese Welpen nicht aufgezogen werden. Multifokale RD hat meist nicht Blindheit zur Folge und betroffene Hunde können ein fast normales Leben führen. Infektionen, pränatale Traumata, Vitamin A-Mangel und Verstrahlungen können die sekundäre RD verursachen.1

 

Die Persistierende Pupillen-Membran (PPM) und Persistierende Glaskörper-Arterie (PHA) sind Strukturen im Auge, die sich normaler Weise bereits vor der Geburt zurückbilden und bei einem Welpen im Alter von 4 Wochen nahezu nicht mehr vorhanden sind. Wenn die Membranen oder Arterien im Auge abnormal "persistieren" (andauernd vorhanden sind), können sie die Sicht beeinträchtigen. Bei PPM bleibt die Pupillenmembran des Fötus bestehen und bei PHA existiert die Hyaloid-Arterie (Glaskörper-Arterie) weiterhin.

Die PPM kommt in Form von Fädchen vor, die von der Pupille nach vorn zur Hornhaut reichen oder nach hinten zur Linse und so die Sicht blockieren. Manche Arten der PPM erscheinen wie Pigment-Flecken auf der Linse. Das Sehvermögen ist üblicherweise nicht ernsthaft beeinträchtigt. Die PPM ist angeboren und geht nicht mit Schmerzen einher. Betroffene Tiere und bekannte Träger sollten nicht für Zuchtprogramme eingesetzt werden.1

 

Das Entropium ist ein relativ verbreitetes Problem, wobei das Augenlid nach innen gestülpt ist, so dass die äußeren Wimpern an der Hornhaut reiben. Reibungen, Irritationen, Schmerzen und die Wahrscheinlichkeit von Kratzern auf der Hornhaut können das Ergebnis sein.  Im Gegensatz zu anderen Erkrankungen, die hier angesprochen wurden, ist das Entropium relativ einfach zu behandeln, jedoch sollte es behandelt und fixiert werden, damit es als "weniger ernst" betrachtet werden kann. Diese Erkrankung kann durch eine abnormale Anatomie entstehen, meistens bei Welpen, die deutliche Hautfalten besitzen, bevor sich im Wachstum die Haut um die Augen herum glättet. Zusätzlich zu den Anatomischen Ursachen kann dieser Zustand zu Augenerkrankungen führen. Eine Behandlung kann lediglich aus einem vorübergehenden Herausziehen des Augenlides und einer operativen Befestigung bestehen. Ein dauerhafteres Fixieren erfolgt besonders, wenn die Symptome bei älteren Hunden auftreten mit dem Ausschneiden eines kleinen Stückes des Augenlidgewebes.1

 

Das Glaukom (Grüner Star), obwohl es nicht so häufig wie andere Erkrankungen vorkommt, ist wohl der schlimmste aller auf das Auge bezogenen Albträume, den ein Hundebesitzer durchleben muss. Ein Glaukom kann entweder durch einen chronischen oder schnellen Anstieg des Flüssigkeitsdrucks (das ist der innere Augendruck) entstehen. Der Druck steigt durch Störungen des Tränenflusses im Auge und führt zu Schäden und Blindheit. Bei erhöhtem Druck, speziell schnell ansteigendem Druck, können starke Schmerzen auftreten. Im Auge wird stetig Flüssigkeit produziert, die durch mikroskopisch kleine Abflüsse austritt und sich schrittweise in die Blutgefäße entleert.

Das Glaukom hat wegen der Ableitungsprobleme anatomische Ursachen, wie enge Ableitungsstrukturen (primäres Glaukom). Oder es tritt bei Missbildungen in den Ableitungsstrukturen verursacht durch andere Erkrankungen auf, durch Verstopfungen des Abflusses durch Pigmentablagerungen (ein Warnsignal für das Glaukom bekannt als Augen-Melanosis, die bei Cairn Terriern auftreten kann), Blutungen, bei einer verschobene Linse oder durch einen Tumor (sekundäres Glaukom). Die Erkrankung entsteht oft zunächst in einem Auge und erst Monate oder Jahre später im anderen. Vergrößerte Augen, halb vergrößerte und starre Pupillen und auch verschobene Linsen sind Symptome, die äußerst ernst zu nehmen sind. Spätere Symptome sind häufiges Zwinkern, Augen reiben, Lethargie, Appetitlosigkeit und Wimmern vor Schmerzen. Ein akutes Glaukom mit einer fast völligen Blockade der Flüssigkeit kann durch einen schnell ansteigenden inneren Augendruck beschleunigt werden und zur Zerstörung der Augenstrukturen und zu Schmerzen führen oder sogar zur Erblindung und das alles in nur wenigen Stunden!

 

Ein akutes Glaukom ist ein ernsthafter medizinischer Notfall, der unmittelbare und intensivste medizinische und/oder chirurgische Behandlung erfordert, um den inneren Augendruck zu verringern.

 

Die Behandlung kann starke Medikamente (Diuretika, Medikamente zur Verringerung der Flüssigkeitsproduktion), die Behandlung anderer Erkrankungen, die ein Glaukom verursachen können, und die Chirurgie zur Verbesserung der Ablaufstrukturen beinhalten, jedoch wird oft nur das mit dem Glaukom befallene Auge entfernt. Das verbliebene Auge wird medizinisch behandelt und die Symptome werden beobachtet, um ein Glaukom dieses Auges zu verhindern. Wenn das verbliebene Auge auch ernsthaft befallen wird, muss es ebenso entfernt werden.

Die Erkrankung ist erblich bedingt und betroffene Tiere und bekannte Träger sollten nicht für die Zucht eingesetzt werden.1

 

Die Hypoplasie (Unterentwicklung) des Sehnervs kommt in der Terriergruppe etwas seltener vor, sie wurde jedoch vor kurzem bei einem Cairn Terrier festgestellt. Es handelt sich dabei um eine genetisch bedingte Missbildung des Sehnervs; sie stellt sich als eine erhöhte Anzahl von Nervenfasern dar und der Nerv selbst hat einen geringeren Durchmesser. Die Hypoplasie des Sehnervs kann in einem oder in beiden Augen auftreten. Hunde, bei denen ein Auge betroffen ist, sind in der Regel wenig eingeschränkt und leben mit normalen Sehfunktionen. Bilateral betroffene Hunde sind in der Regel blind. Anzeichen sind dauerhaft erweiterte Augen und das Fehlen von Reflexen auf eintretendes Licht. Betroffene Hunde und bekannte Träger dürfen nicht in der Zucht eingesetzt werden.1

 

Die Spaltbildung (Koloboma) des Sehnerv oder seines hinteren Segments wurde bislang bei Terriern selten festgestellt, sie ist jedoch charakteristisch für Augenanomalien beim Collie. Das Koloboma bezieht sich auf "kraterförmige" oder "eingekerbte" Bereiche. Es wird vererbt und betroffene Hunde und bekannte Träger sollten nicht zur Zucht eingesetzt werden. Der "kraterförmige" Bereich bei Kolobomas im hinteren Segment tritt in der Scheibe des Sehnervs auf. Wenn der zerklüftete und nicht funktionstüchtige Bereich dieser Scheibe relativ klein ist, ist normalerweise das Sehvermögen nur minimal beeinträchtigt. Größere Bereiche mit Kerben und Kratern oder wenn der gesamte Sehnerv betroffen ist, führen zur Erblindung. Bei Untersuchungen erscheinen Kolobomas als graue oder weißliche Bereiche im Bereich der Netzhaut und des Sehnervs. Extensive (ausgedehnte) Kolobomas gehen manchmal mit abgelösten Netzhäuten einher, wobei sich Teile der Netzhaut von der Rückwand des Auges lösen, in den Glaskörper übertreten und die Sicht verdunkeln. Dieses Symptom tritt in der Regel, wenn überhaupt, im ersten Lebensjahr des betroffenen Welpen auf.1

 

Zusammenfassung

Tabelle 1 fasst die Hauptpunkte zu diesen Krankheiten zusammen.

 

Tabelle 1.  Am häufigsten beobachtete Augenerkrankungen bei Terrierrassen

 

Erkrankung

Symptome

Behandlungs-möglichkeiten a

Vorbeugung b

1.  Katarakte

getrübte Linse

Medikament / chirurgischer Eingriff

kastrieren/sterilisieren

2.  PRA

Retina Degeneration

Keine Behandlung

kastrieren/sterilisieren

3.  Linsen Luxation

verschobene Linse

Medikament / chirurgischer Eingriff

- - -

4.  Retina Dysplasie

Abnormal entwickelte Netzhaut

Keine Behandlung

kastrieren/sterilisieren

5.  PPM / PHA

erhalten gebliebene Membrane oder Hyaloid-Arterie   

Keine Behandlung

kastrieren/sterilisieren

6.  Entropium

nach innen gestülptes Augenlid           

Medikament / chirurgischer Eingriff

- - -

7.  Glaukom

erhöhter Innen-Augen-Druck

Medikament / chirurgische Eingriff

kastrieren/sterilisieren

8.  Sehnerv Hypoplasie

verengter Sehnerv

Keine Behandlung

kastrieren/sterilisieren

9.  Sehnerv Kolobom

zerklüftete Nerv-Scheibe

Keine Behandlung

kastrieren/sterilisieren

 

Anmerkung:

a.  Einzeln oder in Kombination

b. Kastration/Sterilisation der geschädigten Tiere und der bekannten Träger

 

 

Das Überwinden von Trägheit und Verleugnung: der Wahrheit ins Gesicht sehen

Die meisten Leute haben von einigen dieser Erkrankungen gehört, die oft bei Menschen und Säugetieren auftreten, jedoch kann die alleinige Erwähnung dieser Krankheiten Schauer über den Rücken der Züchter von reinrassigen Terriern laufen lassen. Einige Züchter, die jahrzehntelange Erfahrungen und Erfolge haben, sind die, die am meisten zu verlieren haben, sollten sie ein wertvolles Tier kastrieren oder sterilisieren lassen müssen. Sie haben natürlich Angst vor der Krankheit selbst, Angst davor, ihren Ruf für hochqualitative Tiere zu verlieren und manchmal fürchten sie auch überhaupt zu wissen, welche Erkrankungen manche ihrer Tiere haben. Für manche Züchter ist Unwissenheit selig machend. Die Furcht, die hinter dieser Position steht, erklärt unsere Probleme: Züchter müssen nicht nur gegen genetisch vererbte Krankheiten selbst kämpfen, sondern auch gegen die manchmal davon ausgehende lähmende Angst.

Durch die Erhaltung der Gesundheit der Augen bei jedem unserer Tiere und unserer Linien, können die Züchter ihre Hunde jetzt und in Zukunft vor Augenschmerzen, Sehstörungen und eben auch vor Blindheit schützen. Weiterhin können Züchter durch Tests (jährliche Untersuchungen durchgeführt vom VO), durch die Registrierung von gesunden Hunden beim CERF (http://www.vmdb.org/history.html) und durch überdachte Zuchtprogramme genetische Übertragungen von Augenkrankheiten kontrollieren. Wenn man diese Regeln beachtet, schützt der Züchter auch seine Ausstellungs- und Familienhunde vor dem Kummer, den eine chronische Krankheit eines Familienmitgliedes nach sich zieht.

Die Überwindung der Angst vor dem Wissen könnte leichter sein, wenn wir die immensen Kosten berücksichtigen, die das Nichtstun nach sich ziehen. Wir befinden uns in einem langfristigen Kampf gegen diese Krankheiten. Die Zeit der Ignoranz und von Gerüchte ist vorbei. Diese Krankheiten werden nicht von allein verschwinden.6 Wir werden gegen diese Krankheiten kämpfen mit der Gewissheit, dass wir einst den entsprechenden DNA-Marker finden und dann genetisch gesunde Würfe haben, und dass unsere geliebten Terrier dann nicht mehr länger Opfer dieser Erkrankungen sein werden.5, 6, 7

 

 

Literatur-Verzeichnis

  1. Peiffer RL, Petersen-Jones SM. Small Animal Ophthalmology: A Problem-Oriented Approach (3rd ed.). London: WB Saunders, 2001.

  2. Whitley RD. Focusing on eye disorders among purebred dogs. Veterinary Medicine 1988;83:50-63.

  3. Whitley RD, McLaughlin SA, Gilger BC.  Update on eye disorders among purebred dogs.  Veterinary Medicine 1995;90:574-592.

  4. Cairn Terrier Club of America "Genetic Anomalies in the Cairn Terrier: A Reference Manual for Conscientious Breeders." CTCA Health Concerns Committee Jennie Willis (Ed.) 1993. (See  http://www.cairnterrier.org/ctca/health.htm).

  5. Willis J.  Genetics with an "M": the Mystery, the Miracle, the Message, and the Mandate.  In "Genetic Anomalies in the Cairn Terrier: A Reference Manual for Conscientious Breeders"  CTCA. 1993.  

  6. Padgett G.  Introduction. In "Genetic Anomalies in the Cairn Terrier: A Reference Manual for Conscientious Breeders"  CTCA. J. Willis (Ed.). 1993.   

  7. Padgett G.  To test or not to test.  In "Genetic Anomalies in the Cairn Terrier: A Reference Manual for Conscientious Breeders"  CTCA. J. Willis (Ed.). 1993.

Fußnote:

Die Autoren sind beide Cairn Terrier Züchter und Aussteller (Handler) und zweite Vorsitzende des Greater Twin Cities Su-Mac Cairn Terrier Club's. Dieser Vortrag wurde am 27. Oktober 2001 und am 26. Oktober 2002 in St. Louis Park, Minnessota, USA an der „Ocular Melanosis and CERF Toto clinics“ gehalten. Die Klinik ist eine von mehreren vom Cairn Terrier Club of Amerika und der CTCA Foundation gesponserten Forschungseinrichtungen, die daran arbeiten, DNA-Marker für Augen-Melanosis und Glaukome bei Cairn Terriern zu untersuchen. Daten, Blutmuster und Ahnentafeln von betroffenen Cairn Terriern wurden an den leitenden Wissenschaftler auf dem Gebiet dieser Untersuchungen Dr. Simon Petersen-Jones von der Staatlichen Universität Michigan, East Lansing, MI, übergeben. Die Autoren danken Sue Ellen Bell, RN, PhD und Simon Petersen-Jones, DVetMed, PhD, MRCVS, für ihre klinische Durchsicht dieser Materialien und ihre hilfreichen Empfehlungen. Wir danken Wendy Schadewald für sie geschickten Bearbeitung dieser Kopie.

 

 

 

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